
»Dicht, logisch, spannend
Leipziger Nikolaikirche: Warum darf er nicht klatschen nach der Bachkantate,
die doch so schön war? Es werde im Programmheft darum gebeten, erst am
Ende des Konzerts zu applaudieren, wird ihm zugeraunt. Nun, er fügt sich
und hat schon nach dem nächsten Stück kein Bedürfnis mehr, die
Spannung zu zerreißen, die Peter Neumann aufbaut mit der Gestaltung seines
Programms mit dem Kölner Kammerchor, dem Collegium Cartusianum und
Solisten: Wenn er seine Hand erhoben hält, Johann Sebastian Bachs Kantate
"Gott der Herr ist Sonn und Schild" BWV 79 nahtlos Felix Mendelssohn
Bartholdys Kyrie d-moll anschließt, um gleich die nächste Bachkantate
folgen zu lassen.
Dicht ist die Textur, logisch die Struktur, spannend der
Inhalt dieses Konzerts, das die Kantaten "Ach Gott, vom Himmel sieh
darein" von Bach (BWV 2) und Mendelssohn ins Zentrum stellt und einen
Vergleich der beiden Vertonungen der Luther-Adaption des 12. Psalms ermö
glicht. Und dabei den Werdegang des Komponisten Mendelssohn illustriert, vom
"Kyrie" eines 16-Jährigen über die Choralkantate, deren
zweite Strophe des Eingangschores an die Volkschöre aus Bachs
Johannespassion erinnert, bis zum Meisterwerk "Der 114. Psalm" op.
51, wo der romantische Mendelssohn ganz bei sich angekommen ist.
Was den
Zuhörern reizvolle Kontraste bietet, erfordert stilsichere
Interpretation.
Streicher, Hörner und Trompeten mit allen Facetten
zwischen dezenter Akkuratesse und festlichem Pomp, sinnlicher Flöte und
klagender Oboe. Die Solisten machen die Sache rund: Johanna Winkel besticht
mit feinfühliger Gestaltung und klarem Sopran, Margot Oitzinger steuert
einen Alt mit bernsteinfarbenem Timbre bei, während Markus Brutschers
geschmeidiger Tenor gern mal freudig hüpft. Andreas Wolf erweist sich als
der Wandlungsfähigste: Sein Bass-Bariton kann alles - von
Streicheleinheit bis zu stählerner Strahlkraft.
Der Kölner
Kammerchor modelliert einen plastischen Bach mit fein differenzierter Dynamik,
homogener Stimmführung und ausgezeichneter Artikulation. Liegen bei
Mendelssohns Kyrie noch die Einzelstränge bloß, so hat der 114. Psalm
dann das fehlende Bindegewebe, gibt es romantischen Schmelz und Klangpracht in
Vollendung.
Nach diesem grandiosen Finale ist auch der englische Gast im
Mittelschiff zufrieden: Jetzt darf er klatschen. Er tut es ausgiebig und
begeistert, wie alle anderen Zuhörer in der voll besetzten Nikolaikirche.
»
Birgit Hendrich, LVZ/Leipziger-Volkszeitung, 15.06.2009
»Höhepunkte des Festivals waren die unter der Leitung von Peter Neumann
mit dem Kölner Kammerchor und dem Collegium Cartusianum aufgeführten
Kirchenwerke Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Mendelssohns...»
www.klassic.com
»Das nach einem Text von Barthold Brockes von Händel vertonte Passionsoratorium
erwies sich als ein grossartiges musikalisches Erlebnis.
Ausführende von hoher Leistungskraft und Ausstrahlung gestalteten am Sonntag das zweite
Festkonzert des 23. Internationalen Bachfestes in der Kirche St. Johann.
Der Kölner Kammerchor und das Collegium Cartusianum, zusammen mit acht Vokalsolistinnen
und -solisten, widmeten sich unter der Leitung von Peter Neumann dem Passionsoratorium
»Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus», einem
spätbarocken religiös-dramatischen Werk von Georg Friedrich Händel.
Es handelt sich dabei um einen deutschen Passionstext, den noch ein halbes Dutzend anderer Komponisten
als Libretto verwendeten.
Sein Autor ist der Hamburger Jurist und Ratsherr Barthold Heinrich Brockes (1680–1747), der zwar
kein bedeutender Dichter war, aber manchen Kritikern als Neuerer galt, weil sein Text formal vom Spätbarock
zur Aufklärung überleitet. Es gab damals — Händel schrieb das Werk 1716 in London —
bereits eine heisse Diskussion darüber, ob ein Passionstext sich wörtlich nach der Bibel
richten müsse oder ob auch Nachdichtungen in Versform angemessen seien.
Der gereimte Text von Brockes handelt von der vorösterlichen Abendmahleinsetzung bis zu Jesu
Tod am Kreuz.
Das mit einer kurzen Sinfonia beginnende Werk ist aufgebaut nach den bekannten oratorischen Formen
von Rezitativ und Arie, von dramatischen Chorpartien und Chorälen sowie von ariosen Partien
für Vokalensembles und Instrumentalsoli. Dem als Händel-Interpret besonders geschätzten
Peter Neumann gelang mit der schlanken, perfekt musizierenden Orchesterbesetzung eine nuancenreiche
Interpretation von filigraner Durchsichtigkeit und mitreissender Dramatik. Dazu trugen der Chor und
die Vokalsolisten das Ihre bei mit bestechender Gesangskultur und plastischer Gestaltung der von Händel
intendierten Affekte. Die Solopartien sangen: Nele Gramß und Johanna Winkel, Sopran; Elvira Bill, Mezzosopran;
Jan Thomer, Altus; Markus Brutscher und James Oxley, Tenor, sowie Markus Flaig und Michael Dahmen, Bass.
Das umfangreiche Werk hat eine prachtvolle Architektur mit abwechslungsreicher Harmonik und packenden
Szenen, die von den Ausführenden mit geradezu bildhafter Ausdruckskraft dargestellt wurden.
Händel hat hier neben den bekannten biblischen Figuren noch eine Tochter Zion und eine gläubige Seele
mit bedeutenden Aussagen und ausgedehnten betrachtenden Partien ins Spiel gebracht.
Die in dieser Aufführung damit betrauten Soprane haben Wundervolles geleistet an expressiver und
gesangstechnischer Gestaltung &Mdash; so, wie überhaupt jede und jeder einzelne der Vokalsolisten Bewunderung
auslösten! Auch was der Chor an deklamatorischer Intensität und Klanggestaltung realisiert hat,
war packend. Peter Neumann hat den dramatischen und geistlichen Gehalt dieser Passion zu einem unvergesslichen
Erlebnis ausgestaltet. Der Applaus wollte denn auch nicht enden. »
Monica Zahner, Schaffhauser Nachrichten
»Bei der grandiosen Händel-Lesart mit dem Kölner Kammerchor
im Rheingau kann man noch etwas lernen
Woher die Puritaner aller Länder die Kraft nehmen, mit Herzensfeuer und
Willenseifer zu ihren Ideen zu stehen, das ließ die Aufführung von Georg
Friedrich Händels "Saul" beim Rheingau- Musik-Festival ahnen.
Anscheinend haben die vielen Jahre historischer Aufführungspraxis mit zart
hüpfenden Klangbewegungen in terpentinverdünnten Händelfarben
einen falschen Eindruck von den Tugendbotschaften der weltergreifenden
englischen Bürgerschaft des 18. Jahrhunderts entstehen lassen. Jetzt, in
der Basilika von Kloster Eberbach, klang der alttestamentarische
Identifikationsstoff gar nicht nach Beruhigungs- und Betrachtungs-Dosierung.
Hier konnte ein gefesseltes und zuletzt hingerissenes Publikum vielmehr am
eigenen Körper erleben, wie durchrüttelnd und konzentrierend das
puritanische Selbstbeherrschungsprogramm musikalisch wirken kann. "Wer
Städte siegreich stürmt im Feld, / Wer käm' ihm gleich an Rang?
/ Doch der ist erst ein rechter Held, / der stets sich selbst bezwang! / Der
ragt vor allen groß und gut / der dämpft in stark gefasstem Mut / den
Wahnsinn seiner blinden Wut!" Das kam als klangliche Vollwertkost daher, die
Peter Neumann mit nicht nachlassender Verve den dreißig grandiosen Kehlen des
Kölner Kammerchors und den auf historischen Instrumenten spielenden
Musikern des Collegium Cartusianum entlockte. Eine Kalorienbombe, die das
gefürchtete dreistündige Händel-Referat wie im Flug vergehen
ließ. Dabei war es nicht so, dass nur die mit Kontur und dissonanzgesä
ttigter Harmonik bestückten Rollen des bösen israelitischen
Establishments Hochspannung in das alttestamentarische Geschehen brachten.
Neumanns interpretatorisches Feuer machte gerade auch aus den Partien der
Guten um dem mit Steinschleuder und Harfe gleichermaßen vertraut Umgang
habenden jungen David eine Offenbarung an sublimer, sinnenbetörender
Innerlichkeit. Das ging natürlich nur, weil der Counter Alex Potter eine
Vokalität in das Kirchenschiff einströmen ließ, dass es die Steine
erweichte. Nicht nach stand ihm der furiose Sopran von Simone Kermes - ein
Triumph an Phrasierungsgeschmeidigkeit zwischen Pianissimohauch und blankem
Espressivo-Lodern. Fast lupenrein war die Stimme von Myung-Hee Hyun, exzellent
in der Durchschlagskraft und der charakteristischen Farbigkeit die von
Konstantin Wolff als König Saul. Pointiert und beweglich auch die Stimmen
von Nicholas Phan, Georg Poplutz und Torben Jürgens. Wie reichhaltig die
Ausdruckspalette des Händelschen Orchesters ist, wie hymnisch-erratisch
und unverzagt aufflammend die Chöre bei größter Luzidität agieren
können - das war ein Erlebnis der Sonderklasse. So singen Völker in
der Wüste, die auserwählt sind, Großes zu schaffen.»
von Bernhard Uske, Frankfurter Rundschau
AKTUELLES
Im Januar ist unsere neue CD erschienen:
G.F. HÄNDEL: Brockes-Passion
Carus 83.428 (2 CDs)
"Im Bereich der Händel-Interpretation setzt diese Einspielung einen neuen Standard."
Bernhard Morbach, rbb kulturradio
"Nicht nur für Telemanns Brockes-Passion liegt aber eine exemplarische Neueinspielung vor,
sondern ebenso für Händels «Konkurrenzwerk»... Wer diese emotionsgeladene Interpretation hört,
muss sich wundern, dass das Werk heutzutage eher ein Schattendasein unter den Händel-Oratorien
wie unter den barocken Passionsvertonungen insgesamt fristet."
CONCERTO, Februar/März 2010
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